Karwendel Dogtrekking 2017 oder “Der Fluch der Ausrüstung”

//Karwendel Dogtrekking 2017 oder “Der Fluch der Ausrüstung”

Martina war beim diesjährigen Debut des Karwendel Dogtrekkings vom 28. bis 30. Juli 2017 mit dabei. Und das muss eine ganz besonders schöne, aber auch eine harte Nuss gewesen sein. Lassen wir am besten gleich Martina zu Wort kommen… viel Spaß beim lesen!


 

Natürlich hatte mein vierbeiniger Begleiter Happy es schon gemerkt: Booties, Rucksack, Kopflampe, Verpflegung für Hund und Frauchen in komprimierter Form…. es konnte nur wieder auf ein Dogtrekking gehen… Diesmal sollte es zum ersten Karwendel Dogtrekking, das im österreichischen Scharnitz startete, gehen.

Aber erstmal standen uns gute 700km Autofahrt bevor. Gut gelaunt ging es los und den letzten dicken Stau ca. 60km km vor dem Camp, der uns fast eine Stunde zurückwarf, war mit ein paar Lernkarten (ich befinde mich grad in der Fortbilung zur Osteopathin für Pferde) auch noch zu meistern.

Endlich am Karwendel Camping angekommen war die Wiedersehensfreude groß… und dann gab es ja noch die leckere Suppe zum Abendessen. Maria fragte mich, ob ich das normale Trekking gehen wollte oder die Black Edition, die zwar nur minimal länger, dafür aber deutlich mehr Höhenmeter und das auf schwierigen Wegen hatte, in Angriff nehmen wollte. „Das lohnt sich frei scho…“ waren ihre Worte. Und da Happy der schwarze Part unseres Teams „Black and white“ ist, wenn Maria und ich gemeinsam bei anderen Dogtrekkings laufen ist, war die Entscheidung natürlich in sekunden schnelle gefallen. Nach der Streckenbesprechung bekam Marias Hund Filou noch eine kleine Physiobehandlung von mir, da er sich bei dem Beglücken (obwohl kastriert) der läufigen Riis- die Modell für das Logo vom Karwendel Dogtrekking gestanden hat- eine kleine Wirbelblockade zugezogen hatte.

So jetzt aber ab ins Zelt und in den Schlafsack. Netterweise diente mir Bella als Kopfkissen… manchmal ist so dickes, weiches Fell doch von Vorteil.

Um kurz nach drei in der Früh starteten Marcel mit seinen beiden Huskies und Happy mit mir in die Dunkelheit. Schnell hatten wir die Straße durch Scharnitz bewältigt und bogen in den Waldweg Richtung erstem Checkpoint einer Hängebrücke, die man angeblich nicht übersehen konnte, immer den Schildern Mittenwalderhütte folgend ein. Happy zog das Tempo an und wir eilten die ersten Höhenmeter hinauf. Erste Kreuzung alleine und ich wollte auf der App, die ich mitsamt Karte des Karwendel für das Trekking aufs Handy gespielt hatte – und dafür sogar bezahlt hatte-, Position und Weg kontrollieren. Natürlich funktionierte es nicht… das heranzoomen der Karte war nicht möglich, genaue Koordinaten abgelaufen… Die grobe Karte und Position brachte mir gar nichts… Auch gutes Zureden und neu starten half nichts, ich musste mit der Papierkarte von Maria alleine klar kommen. Das Handy hätte ich am liebsten die Felskante runtergeworfen… ich war stinksauer… Aber es half nichts… also weiter … Als nächstes fing bei meinem Tempo die Kopflampe an zu rutschen und das bei steinigem und wurzligem Untergrund…. Zum Glück geleitete mich Happy im Zug sicher dadurch….

Diese scheiß Hängebrücke, wo ist sie? Ich hätte längst da sein müssen oder hatte ich mich an der Kreuzung doch falsch entschieden… nochmal Handy rausgekrammt, neuer Versuch mit der App… die Bahn, die ich unterquert hatte, war nicht auf der Papierkarte eingezeichnet… Die App streikte immer noch… erstmal Nervennahrung in Form eines selbstgemachten Riegels namens Muscle Boost. Ich sah den Schein von Marcels Lampe… wir sind hier richtig… Flotten Marsches weiter den Pfad hinauf und da standen wir schon vor der Mittenwalder Hütte, dem zweiten Checkpoint… Ja super an der Brücke vorbei… Wenige Minuten später kam Marcel an und sagte, da war noch nen Schild Hängebrücke, aber dass das der Checkpoint ist, hatte ich nicht mehr auf dem Schirm. Naja, die ganzen Meter wieder runter und hoch… nein. Grad am Dämmern und ich war schon total angenervt, dass nichts funktionierte. Zumindest hatte ich ein Foto von jedem Schild gemacht. Flott das Symbol vom Checkpoint aufgezeichnet und ab in die Black Edition zur westlichen Karwendelspitze. Die erste Kletterpartie wartete, eine fast senkrechte Steinwand mit Baumgeäst nach oben. Happy fiel in sein altes Muster zurück und panikte…. Entschlossen schob ich ihn hoch, drückte von unten und kletterte hinterher… Geschafft… Geschirr wieder zurechtgerückt.Auf einem steinigen schmalen Pfad stellenweise mit Sicherungsseil, begleitet von der aufgehenden Sonne, die die Berge in wunderbares Licht tauchte, kamen wir beide der westlichen Karwendelspitze Stück für Stück näher. Auf dem letzten Geröllfeld vor diesem verliefen wir uns nochmal kurz in der Steinwüste, traten etwas Geröll los, bevor wir dann da oben standen. Noch einmal um den Kessel herum, Checkpoint holen Aussicht genießen… Okay Happy fand die Aussicht auf die Gämse schöner und wollte aufgeregt hinterher. Noch schnell ins riesiger sog. Fernrohr… es war noch zu… also weiter… Zumindest hatte ich inzwischen meinen Groll über die Technik hinter mir gelassen und genoß die gemeinsame Tour mit meinem vierbeinigem Begleiter.

Für die Durchquerung des Dammkartunnels musste ich nochmal die Kopflampe herauskramen. Unsere Schritte wirkten laut in der Dunkelheit des Tunnels. Nach dem Aufstieg war seine Kühle eine willkommene Erfrischung… Nach dem Tunnel stand erstmal Geröllsurfen Richtung Bergwachthütte auf dem Plan. Dort angekommen, rechts abgebogen, wieder einige Höhenmeter hinauf zum Predigstuhl. Von dort seilgesichert hinunter zur Hochlandhütte, kurz vorher noch den Checkpoint geholt und im Lauf a la Canicross zur Hochlandhütte. Da gab es dann endlich den wohlverdienten Morgenkaffee und ein Stück Kirsch-Nuss-Kuchen und natürlich auch Frühstück für Happy. Der Wirt guckte nicht schlecht, als ich ihm erzählte, welchen Weg ich heute schon zurückgelegt hatte und wohin es gehen sollte. Wenigstens erklärte er mich nicht für verrückt, zumindestens nicht in meiner Answesenheit, und wünschte mir eine gute Weiterreise. Noch schnell Wasser für uns beide aufgefüllt und weiter gings. Die nächsten Höhenmeter zum Wörner Sattel warteten auf uns. Geschafft… Checkpoint abgezeichnet… Foto gemacht und auf zur Rehbergalm. Kurz vor der Rehbergalm mussten wir eine Pferdeweide überqueren… nur wo geht hier der Weg weiter? Da geht es nicht weiter Zaun, wieder über die Wiese zurück. Ach da ist die Markierung…

Bald war das Schild mit dem Checkpointbändle gefunden. Aber nicht ohne dass durch die nasse Wiese meine Schuhe durchnässt waren, ja endlich, das muss bei jedem Dogtrekking sein.

An der Vereiner Alm füllten wir nochmal die Wasserreserven ein, erstmal die letzte Möglickeit. Ah da ist das Schild zur Soiernspitz, dennoch stand ich dann nur vor der Kofflerhütte. Wieder zurück und mir kam ein junger Mann entgegen, genauso umherirrend wie ich. Zusammen fanden wir dann den Grasweg und das ausgebleichte Holzschild zur Soiernspitze.. Dieser Weg fing mal in steinig über, aber noch zwischen kleinen Bäumen stetig bergauf. Es zog sich nach oben, wo bleibt der Abzweig… Endlich das Schild zur Soiernspitze, die Zeitangabe von 2h zur Soiernspitze war sehr ermutigend…. Happy suchte sich den Weg über den Steinpfad, ich brauchte nicht zu sagen… immer im Zug über die Felsen, mit mir im Schlepptau. Kurz anhalten, Hund booten und nach einem schier endlosen Anstieg war sie endlich da die Soiernspitze mit dem Kreuz und einem atemberaubend Ausblick: die Belohnung. Der Eintrag ins Gipfelbuch durfte selbstverständlich nicht fehlen.

Der nächste Checkpoint war die Schöttelkarspitze, die letzten Meter als one way. Hier war die Streckenfindung wieder etwas schwierig. Mitten durch die Gras bewachsenen Felsen nach oben. Und es traf mal wieder zu: Das Finden des Weges ist Teil der Aufgabe… Aber bald fand ich den Eingang zum one way. Rucksack dagelassen und zum Checkpoint gelaufen, Blick auf das Gebirge genießen und weiter.

Im Laufschritt folgten nun der Seinskopf und dann der Signalkopf. Am Signalkopf angekommen fand sich das Bändl mit dem Zeichen unten am Schild. Zum eigentlichen Gipfelkreuz führt Eisenbögen, die im Fels als Leiter eingelassen waren. Also den Hund schnell ablegen mit der Leine auf dem Boden und hochgeklettert. Oben wehten ein paar tibetische Gebetsfahnen und ich genoß mal wieder den Ausblick.

Der nächste Checkpoint war die Kapelle der Aschau- Alm. Vorher mussten laut Marias Aussage eine Millionen Serpentinen bergab absolviert werden. Und sie hatte nicht untertrieben. Noch hinzu kam, dass diese immer enger und steiler wurden. Happy immer schön hinter mir, flitzten wir hinab. Zwischendurch gab es eine kleine Trinkpause, denn wir waren dabei ordentlich ins Schwitzen gekommen. Hoffentlich können wir die Wasservorräte bald wieder auffüllen…

Das Rauschen der Isar, was eine baldige Abkühlung versprach, ließ Happy schneller werden und wir hatten alsbald den Fluss erreicht und wenige Minuten später die Kapelle der Alm, den nächsten Checkpoint. Dort füllte ich Happys Flasche in einer Regentonne auf. Ich musste noch bis zum Ort Mittenwald durchhalten, wo ich dann endlich ein alkoholfreies Bier bekam. Mit einem kleinen Stadtplan erklärte mir dann die Wirtin fachmännisch, wie ich durch den Ort Richtung Ederkanzel kam. Noch schnell beim Bäcker ein Breze gekauft und ich konnte die Zivilisation wieder verlassen. Die Ederkanzel war schnell erreicht und weiter ging es zur Geisterklamm, wo das nächste Zeichen an einem Schild vom Jakobsweg wartete. Weiter sollten wir über den Erlebnisweg der Leutascher Geisterklamm zur Arnspitze. Bloß wo war dieser Dreckserlebnisweg? Da ich sowieso noch was zu trinken mitnehmen wollte, fragte ich direkt am dortigen Kiosk nach. Doch keiner dort hatte nur einen winzigen Schimmer, wo ich lang musste und schüttelten in Anbetracht der Tatsache, dass sechse schon durch war, den Kopf. Schließlich traf ich auf einen sehr netten Läufer, der sich auskannte und mich in die richtige Richtung schickte, aber gut gelaunt meinte, dass der Aufstieg auch bei schnellem Tempo an die 4 Stunden in Anspruch nimmt. Laufend den Geisterweg entlang stand ich an dem dortigen Gasthaus Gletscherschliff wieder da und wusste nicht wohin. Die Wirtin dort wollte mich überall hin schicken, nur nicht zur Arnspitze. Nach ihrer Anweisung wäre ich wieder zurück gelaufen. Entnervt rief ich Maria an, die mich zum Schild lotste. Da stand es Arnspitze 4h55min. Los ging es den schmalen Waldweg hoch. Inzwischen wurde es dunkler im Wald, es war ja schon circa 7 Uhr. Nach einer halben Stunde den Weg hoch, meldete sich wieder der Durst. Halt, was mache ich hier…. Noch mindestens 3 bis 4 Stunde und ewig viele Höhenmeter zur Arnspitze, es wird in den 2 bis 3 Stunden stockenfinster sein, ich habe keinen halben Liter Wasser mehr, meine genaue Karte in Form einer App streikt und ich will nochmal ins Hochalpine? Alleine mit meinem Hund? Ich hatte zwar rudimentäre Biwackausrüstung, genauer gesagt einen Notbiwack mit, aber im Dunkeln da oben den Weg suchen? Auch wenn ich gerne noch die Arnspitze gesehen hätte, war sogar mir allein das Risiko für meinen Gefährten und mich zu hoch. Lieber sicher zurück… ich hatte schon soviele schöne Erlebnisse heute, um dann zu viel zu risikieren…. Auf zur Klamm und sich abholen lassen… Ja denkste, eine Markierung übersehen und ich stand mitten im Wald. Ja toll… GPS wo bin ich? Technik streikte. Okay einfach bergab, grob in die richtige Richtung, wir werden schon wieder raus finden. Da ein Hochstand, dann kann der Weg nicht weit sein. Und tatsächlich nach einem zweiten Hochstand kam ich auf einen breiten Kiesweg und über diesen nach Mittenwald, wo mir Marias Vater schon entgegen fuhr. Kaum saß ich mit Happy im Auto fing es dann zu gewittern, genau da, wo ich hätte hin gemusst….

Im Lager angekommen saßen wir noch lange zusammen und ein paar andere trudelten noch ein. Das Trekking hatte kein einziger bewältigt und auch den etwas „kürzeren“ Hike hatte den wenigen Finishern viel abverlangt. Marcel war froh mich heil am Camp zu treffen. Auch er hatte aus Sicherheitsgründen abgebrochen, war aber von der Klamm zum Camp im strömenden Regen gelaufen, ohne den Anstieg zu versuchen.

Am Sonntag ließen wir das Trekking mit der Siegerehrung ausklingen… schließlich hatten wir alle eine anstrengende, aber sehr schöne Wanderung hinter uns. Liebe Arnspitze, mit Dir habe ich noch eine Rechnung offen, die wird noch beglichen….

By | 2017-08-02T11:28:55+00:00 2. August 2017|Berichte|0 Comments

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