(Hunde-)Abenteuer in den Alpen: Das Karwendel Dogtrekking 2018

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Unser Autor Bernd Spring war vom 17. bis 19. August mit seinem Hund Kasimir, einem Terrier-Mix aus dem Tierheim Höchstädt, beim 2. Karwendel-Dogtrekking am Start. An seinen Erlebnissen lässt er uns hier in Wort und Bild teilhaben, viel Spaß!


 

Endlich Karwendel!

Niemand glaubt mir, wenn ich sage, dass das Karwendel für mich noch ein weißer Fleck auf der Landkarte ist. Dies liegt vermutlich am Zugspitz Dogtrekking, zu dem ich alljährlich in den ein Stück weiter westlich gelegenen Nachbar-Gebirgszug einlade. Doch schon schlappe 30 Kilometer weiter beginnt für mich Neuland. Ein Grund mehr, endlich mal beim KDT (Karwendel Dogtrekking) teilzunehmen. Das Debut 2017 ging leider aufgrund einer Terminüberschneidung an mir vorbei. Jetzt gibt es keine Ausrede mehr!

Apropos Zugspitz Dogtrekking (welches wenige Wochen vorher stattfand). Kurz nach der Siegerehrung fragte mich dort Martina, ob wir nicht gemeinsam das Karwendel Dogtrekking 2018 durchziehen wollen. Es folgte eine kurze, interne Abklärung  (“Ja gut, du darfst eine Nacht mit einer anderen Frau verbringen.”), dann sagte ich zu.

Das war der Startschuss dieser KDT-Erfolgsgeschichte.

Here we go

Punktlandung am Freitag kurz nach 18 Uhr auf dem Campingplatz in Scharnitz, unserem Basecamp. Maria, unsere Gastgeberin, hält gerade das Briefing. Ich blättere mich ungeschickt durch mehrere Seiten an Ausdrucken von irgendwelchen Landkarten mit einer Linie darauf, welche ich am nächsten Tag in der Realität finden soll. Mir fällt es schon schwer, die Reihenfolge der Karten nachzuvollziehen.

Martina sagt mir, dass Orientierung nicht gerade ihr Steckenpferd ist. Na bravo, wir scheinen das sich perfekt ergänzende Team zu sein.

Für den Weg – gerne. Alles andere wird überbewertet.

Bei einem gemütlichen Bier (oder waren es zwei?) verbringen wir den Freitag Abend im Basecamp. Eigentlich sollten wir schon längst in den Kojen liegen, da die folgende Nacht verdammt kurz wird. Aber das leckere Kuchen-Buffet (cool, lecker und ein guter Ersatz für die angekündigten veganen Nudeln, welche es nicht gab) und nette Gespräche mit sympathischen Menschen, die man eh viel zu selten sieht (oder gerade erst kennengelernt hat), sind jetzt wichtiger.

Regina hatte es an der Zugspitze in der Dogtrekking-Szene integriert und hier am Karwendel wurde diese tolle Idee weiter gepflegt: Wer backen kann, bringt Kuchen mit und diesen kann man dann gegen eine kleine Beigabe in die Spendenkasse – für einen guten Zweck – genießen.

Eine kurze Nacht, ein langer Tag

Unruhig und knapp 2 Stunden lang habe ich geschlafen, dann geht der Wecker. Es ist 2:09 Uhr morgens. Ich habe die Angewohnheit, meinen Wecker nie auf eine gerade Zahl, auf eine volle Stunde zu stellen. Dass ich noch müde bin kann diese Taktik allerdings auch nicht verhindern. Ich entknittere mich, schlüpfe in die Laufklamotten und mache vorsichtig die Tür meines Busses auf. Die frische Luft ist kühl, aber angenehm. Ja, kurze Hose und T-Shirt sind eine perfekte Wahl für das anstehende hügelige Abenteuer.

Kasimir ist mein Hund der Stunde. Auch er arbeitet hart daran, wach zu werden. Sympathisch. In Martinas Auto brennt bereits Licht. Ich muss mich sputen, denn sie scheint schon startbereit zu sein. Und es ist nicht das letzte mal, dass ich mich sputen muss, um den Anschluss nicht zu verpassen. Dazu aber später.

Es geht los.

Martina und Happy, ich und Kasimir, so machen wir uns erstmal gemütlich vom Acker. Weg vom Campingplatz Scharnitz, ab in die Berge. Schon nach kurzer Zeit geht es bereits steil nach links Richtung Mittagkopf und Oberbrunnalm.

Happy wird ins Geschirr genommen und befielt uns lautstark, endlich mal Gas zu geben. Oh Mann, da habe ich mir ja was eingebrockt.

10 Minuten später. Es geht ständig bergauf und mein Schweiß rinnt in Strömen nach unten. Die Totenstille der alpinen Nacht wird nur vom Hecheln unterbrochen. Nein, nicht vom Hecheln meines Hundes, sondern von mir. Happy und Martina legen ein Tempo an den Tag, äh, die Nacht, dass uns ganz schwummrig wird.

Wir erreichen die erste Kontrollstelle, die Oberbrunnalm. Hier am Brunnen füllen wir unsere Wasservorräte auf. Dann geht es schnurstracks weiter, erstmal ein paar Meter fälschlicherweise nach oben, dann wieder weglos nach unten, bis wir unseren richtigen Weg gefunden haben. Wir rennen ins Tal und dann auch gleich auf der anderen Seite wieder nach oben. Einmal Hü, einmal Hott.

Es ist Nacht und das ist auch der Grund, warum wir die richtige Abzweigung verpassen. Wir sind auf dem Holzweg beziehungsweise in irgendeiner blöden Sackgasse. Was tun? Ja, verdammt, es tut weh, wenn man Fehler eingestehen muss, vor allem wenn sie mit unnötig bewältigten Höhenmetern verbunden sind. Aber: Hilft ja nichts! Wieder zurück, aufmerksam schauen und… siehe da! Hier ist doch das Schild, welches wir suchten. War das vorher auch schon da? Vermutlich ja. Nighttrekking ist nochmal eine ganz andere Liga, aber okay: Liebes Seefelder Joch, jetzt kriegen wir dich!

Der Aufstieg zieht sich. Martina mit Happy ziehen ebenfalls gut an. Der Tag ist noch frisch und wie ich dieses Tempo halten soll, ist mir ein Rätsel. Ich denke mir: Martina ist ja noch jung, sie unterschätzt die lange Distanz. Das Tempo-Problem wird sich nach einigen Kilometern von selbst erledigen.

Dass ich auch nur eine Sekunde so einen Blödsinn glauben konnte, ist mir im Nachhinein ein Rätsel.

Wir haben alles richtig gemacht. Bei Sonnenaufgang sind wir auf dem Berg. Schön hier!

Das Licht, die Aussicht, einfach ein Traum! Mir wird klar, dass es das Karwendel- mit dem Zugspitz-Dogtrekking locker aufnehmen kann. Und das freut mich sehr, schon allein aus ganz egoistischen Gründen. Hier wird mir eine Gegend, welche ich schon lange erkunden wollte, von einer Kennerin namens Maria gezeigt.

Es gibt unter Dogtrekking-Gastgebern natürlich keinen Neid, kein Konkurrenz-Denken. Wozu auch? Es geht um nichts, außer, dass man sich verdammt viel Arbeit macht, um Hund-Mensch-Teams ausgelastet und glücklich zu sehen. Davon kann es doch nicht genug geben.

Die beiden genannten Dogtrekkings liegen übrigens relativ nah beieinander, präsentieren die Alpenwelt aber von völlig unterschiedlichen Perspektiven. Kennst du eines, dann kennst du eines. Logisch, oder?

Seefelder Joch, Seefelder Spitze und weiter…

Wir erreichen die Aussichtsplattform und die Baustelle auf dem Seefelder Joch. Die 2000er Marke, also die mit den 2000 Metern über dem Meeresspiegel, ist damit erstmals überschritten.

Anschließend geht es auf einem sehr schönen Grat vom Seefelder Joch weiter zur Seefelder Spitze.

Beide Punkte müssen zum Beweis fotografisch festgehalten werden. Normalerweise macht man dafür Selfies. Da wir aber zu zweit unterwegs sind, erlauben wir uns den Luxus, uns gegenseitig zu fotografieren. Das hat ein deutlich höheres Perspektivenpotential.

Dann folgt ein Abstieg, welcher uns irgendwie zur Nördlinger Hütte bringen sollte. Wir schauen auf die Karte und unser phantastischer Orientierungs-Sinn signalisiert: Hier ist der Punkt, wo man links abbiegen muss. Falsch gedacht! Wir biegen eine Serpentinenkurve zu früh ab und bemerken es nicht, weil wir vom schönen Westhang entlang des Schotterfeldes begeistert sind.

Doch nun bekommen wir die Rechnung schwarz auf weiß. Wir sind zu hoch und dadurch in einem Bereich gelandet, welcher alpine Erfahrung erfordert. Wir überlegen kurz, ob wir umdrehen sollen. Nach etwa 0,5 Sekunden Überlegungszeit beschließen wir, weiterzugehen. So schlimm wird´s schon nicht werden. Der Tag ist jung und wir sind Optimisten.

Hurra, eine Treppe! Mein Hund ist begeistert. Nein, das war natürlich ein Witz. Aber Kasimir vertraut mir und ich kann ihn mit einer Hand am Griff des praktischen Kurzgeschirrs über die dünnen Leitersprossen lotsen. Sollte er mit einem Bein abrutschen: Kein Problem, Junge, ich hab dich! Die Leiter ist auch sehr nah am Fels, so dass immer wieder mal der Hund einen Meter links oder rechts von der Leiter hinter sich bringen kann. Heutzutage muss man flexibel sein.

Happy und Martina haben dafür das gleiche Erfolgsrezept.

Allerdings lässt Martina aus Sicherheitsgründen ihren Rucksack und die Stecken erstmal unten, um sich voll und ganz auf Happy konzentrieren zu können. So ein paar Bonus-Höhenmeter, weil sie die Leiterpassage nochmal runter und rauf muss, können sie nicht schocken.

Endlich oben. Das Ding nennt sich Reither Spitze und ist 2374 Meter hoch. Die Aussicht ist… ich habe das komplette Wörterbuch durchwühlt, aber dafür keinen Ausdruck gefunden. Ihr müsst mit dem Foto vorliebnehmen.

Ha! Wir sind abseits des geplanten Wegs auf einem Gipfel. Wir sollten gar nicht hier sein. Ein Klassiker des Gipfelbucheintrags.

Vom Gipfel der Reither Spitze könnten wir auf die Nördlinger Hütte spucken. Jedenfalls bei günstigen Windverhältnissen. Wir ziehen es aber vor, keine Flüssigkeit zu verschwenden und unsere Vorräte dort aufzufüllen.


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Das Schild “Kein Trinkwasser” habe ich noch nie ernst genommen. Hier hätte ich es eventuell machen sollen, da das Wasser hauptsächlich aus Regenwasser besteht. Kein Wunder, dass ich in den darauf folgenden Stunden dank Entmineralisierung immer wieder mal mit leichten Muskelkrämpfen konfrontiert wurde.

Von 8.30 bis 9 Uhr: Frühstückspause. Eigentlich war der Aufenthalt nicht für so lange geplant, aber das Hüttenpersonal saß ebenfalls gerade am Frühstückstisch, als wir dort aufschlugen.

Das Trio des Glücks: Radler, schwarzer Kaffee, transparenter Marillenschnaps. Wir haben alles richtig gemacht.

Beschwingt von den lustigen Getränken geht es auf schotterhafter Piste erstmal nach unten.

Happy bekommt seine Schuhe.

Ein Traum von einem Trail!

Der Traum wird wieder zu Schotter und Fels. Aber unsere Hunde und wir kommen gut damit klar. Das Tal unter uns nennt sich “Kotzengruben”, aber so schlimm finde ich das auch wieder nicht.

Anschließend wird der Anstieg zu einer krassen Show. Es ist technisch zwar nicht schwer, aber der verdammte Berg hört einfach nicht mehr auf. Martina legt ein Tempo hin, dem ich nicht mehr folgen kann. Aber sie ist ganz Gentlewoman und wartet oben auf mich.

Ich bitte sie, von mir ein “Warum tu ich mir das an?” – Bild zu machen. Hier ist es. It´s a long way to the top if you wanna Rock and Roll.

Die Entschädigung für die Mühe folgt direkt danach. Ein Surf-Paradies!

Der Schotter hat genau die richtige Konsistenz, um darauf abwärts zu gleiten.

Es folgen wild-romantische Trails am Felshang.

Wir erreichen das Solsteinhaus, bleiben dort aber nicht lange. Weiter gehts zur Neuen Magdeburger Hütte und der Weg dorthin hat in der zweiten Hälfte noch ein paar lustige Passagen parat.

Aber auch das meistern wir mit Bravour. Achtung Martina – hinter dir kommt der Hüttenwart!

Einen langweiligen Salat, ein paar Brotscheiben und ein kühles Radler später ziehen wir weiter. Die Mittagshitze macht sich breit und wir dürfen erstmal durch schattige Wälder nach unten.

Unten bekomme ich dann die Hitze zu spüren. Wir laufen an einer Felswand entlang und hier knallt der Planet voll auf die Zwölf. Kasimir hingegen scheint das kaum zu jucken.

Unser nächstes großes Ziel nennt sich “Frau Hitt” und ist irgendeine seltsame Steinformation auf 2270 Meter Höhe; ein Pass, den wir überqueren müssen. Es ist der letzte nennenswerte Anstieg unserer Tour. Also nochmal alle Kräfte bündeln und ab der Fisch.

Unter uns taucht eine Stadt auf. Wir fragen einen Wanderer, der uns entgegen kommt, welche Stadt das ist. Ihm fällt die Kinnlade ´runter. “Sagt mal, wo kommt ihr denn her?” Wir versuchen, eine halbwegs normal klingende Version unserer Tour wiederzugeben, was uns aber nicht wirklich gelingt. Er: “Das ist Innsbruck. Es ist deutlich näher als das, was ihr heute noch machen wollt.” Ja, danke auch. Für mich war das ein kleiner Schock. Ich bin bis nach Innsbruck gelaufen? Krasser Stiefel!

Ok, hilft ja nichts, wir haben ein Date mit Frau Hitt. Ein Schaf läuft neckisch vor uns her. Die Hunde sind auf 180 und wir entsprechend auf der Bremse. Eine Muskelaufbautrainings-Einheit, auf die wir jetzt gerne verzichtet hätten.

Martina düst mal wieder ab. Mir wird das langsam peinlich, aber was soll ich machen?

Puh, endlich oben!

Der Abstieg ist cool. Steil, aber durchgehend seilversichert. Wir schaffen das.

Noch einen Nachschlag Schotter gefällig?

Die Gewitterwolken, welche sich mal kurzzeitig zusammenrotteten und den einen oder anderen Donnergroll rülpsten, haben sich glücklicherweise verzogen. Das Abendlicht ist phänomenal.

Die letzte Alm unseres XXL-Ausflugs, die Möslalm. Deren Bedienung war seit 3 Minuten in Feierabendstimmung und es brauchte einiges an Überredungskunst, um noch ein gemeinsames Fluchtbier für Martina und mich zu bekommen.

Das Beweis-Selfie ist so ziemlich das blödeste der kompletten Tour.

Für einige Kilometer schließt sich uns Sarah an. Sie hat den Hike, welcher von der Schwierigkeit nicht so super weit weg von der Dogtrekking-Distanz war, gemeistert.

Das letzte Highlight der Tour ist die Schlucht vor Scharnitz. Wir geben nochmal Gas, weil kurzfristig der Ehrgeiz, unter 20 Stunden ins Ziel zu kommen, aufflammte.

Um jeder aufkommenden Spannung sofort den Wind aus den Segeln zu nehmen, verrate ich auch gleich, dass wir nach 19 Stunden und 41 Minuten ins Ziel kamen.

Was für ein genialer Empfang! Der Pavillon war beleuchtet mit selbstgebastelten Fackelkerzen und gefüllt mit Dogtrekkern, welche uns begeistert zujubelten. Felix hat sogar mein Finisher-Bier, welches ich Nadja gebeten hatte, mir zu besorgen, kalt gestellt. Prost allerseits!

Am nächsten Morgen saß Maria schon fleissig an der Auswertung der Zeiten.

Bei der Siegerehrung wurden die Reste des Kuchenbuffets verdrückt. Für die Erstplatzierten ließ es der Sponsor Pfotenharmony ganz schön krachen: Es gab Leinen und Halsbänder mit Karwendel Dogtrekking – Motiv!

 

Mit dem Wetter hatten wir riesiges Glück. Und mit einer Maria als Organisatorin sowieso. Sie kennt sich aus in ihrer Bergwelt und lässt uns daran teilhaben.

Vielen Dank für dieses wunderschöne Wochenende!

Hier ist die Website von Maria bzw der Direktlink zum Karwendel Dogtrekking: Mountain Dogs

Unsere zurückgelegte Strecke könnt ihr hier auf der Karte nochmal nachverfolgen: Karwendel Dogtrekking Distanz


Ganz klar, wer noch nie mit seinem Hund in den Bergen war, der sollte eventuell nicht mit dem Karwendel Dogtrekking beginnen. Das gleiche gilt aber auch für das Zugspitz Dogtrekking und wenn du dieses schon mehrmals besucht und für gut empfunden hast, dann wirst du vom Karwendel Dogtrekking begeistert sein!

Keep on running 🙂

Die meisten Bilder sind von mir, also © Bernd Spring. Die richtig schönen Bilder sind von Felix. Danke!

 

By |2018-09-12T23:07:02+00:00 6. September 2018|Berichte, Dogtrekking|Kommentare deaktiviert für (Hunde-)Abenteuer in den Alpen: Das Karwendel Dogtrekking 2018