Fünf Tage durch das Kaisergebirge

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Lukas Sommer, für Dogtrekker hierzulande alles andere als ein Unbekannter, hat uns mit einem schönen Bericht überrascht, den wir euch natürlich nicht vorenthalten wollen. Mit seiner Freundin und den Hunden haben sie 5 Tage nonstop die Gegend rund um den Wilden Kaiser unsicher gemacht – wir wünschen gute Unterhaltung 🙂


Vorbereitungen

Nach dem Harz-Dogtrekking sollte meine Erholungsphase nur kurz anhalten, denn am Montag darauf ging es gleich weiter in die Alpen, um eine Mehrtagestour rund um das Kaisergebirge zu unternehmen.

Wir hatten die komplette Ausrüstungspalette dabei, um autark zu sein. Einen Kocher, ein Zelt, Isomatten, Schlafsäcke, Regenkleidung, Müsliriegel, Nüsse, getrocknete Mischungen für warme Mahlzeiten, Erste Hilfe, Blasenpflaster, Ersatzleinen, Packtaschen für unsere Hunde und ein wenig “Kleinzeugs”, um improvisieren zu können. Rundum waren die Rucksäcke voll und gefühlt viel zu schwer.

Ankunft

Bevor wir an einer kleinen Kapelle am Fuße der Gebirgskette nächtigten, holten wir uns einen kleinen Segen in der Kapelle ab, um einen Schutzengel für unser Unterfangen zu bekommen. Als morgens eine junge Dame auf dem Parkplatz Strafzettel verteilte, erklärte sie uns, dass wir hier nicht über Nacht stehen dürften und mein Auto vor unserer Tour noch in den Ort fahren müssten.

Auf der Suche nach Zurrbändern, mit denen ich das Zelt an meinem Rucksack zusätzlich fixieren wollte, gab ich nach dem 4. Sportgeschäft auf. Einen kostenlosen Parkplatz fanden wir hingegen schnell und so stellten wir mein Auto Dienstagmittag endgültig ab. Alles aufgesattelt ging es nun endlich los in die Berge.

Ab in die Berge

Bereits die ersten Meter ließen uns den Schweiß vom Gesicht tropfen. Die Hitze war unerträglich. Nachdem wir die Zivilisation hinter uns ließen wurde der Anstieg steiler und steiler. Der Begriff Höhenmeter bekam eine ganz neue Bedeutung. Immer wieder bat ich Sarah um eine kurze Verschnaufpause. Ihr machten die Höhenmeter sichtlich weniger zu schaffen als mir. Auch durch ihren schönen Sonnenhut war sie besser vor der stechenden Sonne geschützt als ich.

Auf einer Weide angelangt verbellte Taiga, während wir Pause machten und unsere erste Mahlzeit einschoben, ein von Baumwipfel zu Baumwipfel springendes Eichhörnchen, welches sichtlich versuchte meinen Jagdhund auszutricksen. Derweil war ich glücklich darüber, dass es etwas flacher geworden war und das Brennen in den Beinen nachließ.

Durstig an der ersten Alm angelangt, hieß es Selbstbedienung, Geld in die Sparbox einwerfen und kühle Getränke aus dem Kühlschrank nehmen. Wir empfanden es als ein schönes Gefühl, welches Vertrauen man den Wanderern schenkt.

Gestärkt zogen wir weiter auf zu unserem ersten Gipfelkreuz. Dies bedeutete allerdings zeitgleich wieder Höhenmeter machen. Am Kreuz angekommen, belohnte uns die Aussicht und ich schlug vor, doch hier zu bleiben und erst am nächsten Tag den Abstieg zur nächsten Alm zu laufen. Sarah machte mich darauf aufmerksam, dass unsere Wasservorräte leider nicht ausreichen und so waren wir gezwungen, weiter zu ziehen.

Weiter unten, nachdem wir die nächste Alm erreichten, füllten wir Wasser auf und bekamen die Möglichkeit in der Nähe einer Alm unser Nachtlager einzurichten.

Der nächste Tag

Gegen acht Uhr klingelte mich der Wecker aus dem Schlafsack, der glücklicherweise aufgrund der milden Temperaturen warm hielt. Auch Sarah schien gut geschlafen zu haben und so startete der Tag mit einer guten Portion Müsliriegel, Schokolade und Nüssen.

Es sollte weiter bis zum Hintersteiner See gehen, was gleichzeitig bedeutete das es am zweiten Tag mehr bergab als bergauf gehen sollte. Zunächst ging es trotz alledem erstmal hoch.

Erstes Hindernis

In der großen Mittagshitze standen wir nun dort, vor einer drei Meter hohen senkrechten Leiter. Zunächst wollte ich mit Taiga diese knifflige Passage bewältigen, da sie in diesem Gelände der erfahrenste Hund war, den wir mithatten. Wir suchten zusammen einen Weg, die Leiter zu umsteigen, den wir auch fanden, welcher aber nicht ganz ungefährlich war. Odin, der ein blutiger Anfängerdogtrekkerhund war, traute ich die Kunst so zu laufen wie Taiga nicht zu und beschloss, ihn die Leiter hochzutragen. Mit dem gut 30 kg schweren Hund an der letzten Sprosse angekommen, fehlte mir die Kraft ihn mit einer Hand über meinen Kopf hinweg zu heben. Da stand auf einmal jemand hinter mir und stütze Odin. Der etwa 30 Jahre alte Bergsteiger schob und so stand der leicht ängstliche Grönlandhund über mir und schaute mich ausdruckslos an.

Sarah vertraute mir Yara an, bei der es gewichtstechnisch um ein Vielfaches einfacher war sie die Leiter hoch zu schaffen. Mit Vito ging sie denselben Weg, welchen ich mit Taiga gestiegen bin, bloß das Vito frei lief und sich frei bewegen konnte. Als er sicher neben mir stand, konnte Sarah sicher und entspannt nachsteigen. Das Schwierigste war geschafft.

Badetag

Nach wenigen Minuten erreichten wir eine gut besuchte Alm, an der wir eine längere Pause einlegten und Sarah eine Limo und ich ein alkoholfreies Weizen bestellte. Die Aussicht war einmalig und wir konnten bis zum Großglockner schauen.

Der nachfolgende Weg wechselte sich zwischen Wald und Geröll ab. Der Hintersteiner See war bereits zu sehen und so stand unser Ziel fest: “Heute Abend wird gebadet“. Der Rucksack drückte und ich war sehr froh, als wir am frühen Abend den See erreichten und an einer schönen Stelle nächtigen durften. Es war uns beiden eine Wohltat, an diesem Abend ein frisches Bad zu nehmen und uns dabei abzukühlen.


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An diesem Abend gab es Kartoffel-Linsen-Eintopf, was mich umso glücklicher machte. Es schmeckte fast wie bei Oma früher und das Gewicht reduzierte sich bei jeder Mahlzeit, was mir mein Rücken sehr dankte.

Tag 3

Der dritte Tag startete für mich mit einem Sprung in den See und so war ich binnen weniger Sekunden hell wach. Früh starteten wir an diesem wunderschönen Tag. Nachdem wir unsere Wasservorräte wieder aufgefüllt hatten, erwartete uns auch gleich der erste heftige Anstieg hinauf zur Walleralm. Weiter bergaufwärts führte uns der Weg zum Hocheck, wo wir die Aussicht genossen.

Bei der danach liegenden Kaindlhütte teilten wir uns eine leckere Portion Käsespätzle, die uns schwer im Magen liegen sollte. Als die Zeit immer weiter fortschritt und wir auf der Suche nach einem geeigneten Platz zum Schlafen waren, fanden wir erstmal nichts passendes. Die Kräfte neigten sich dem Ende zu, da stießen wir an eine schnucklige Hütte, auf deren Wiese wir nächtigen durften. Das Wasser musste allerdings vor dem Verzehr abgekocht werden, da es nicht mehr ganz frisch war.

Tag 4

Am nächsten Morgen wurden wir vom Regen geweckt, der stetig auf das Zelt prasselte. Erst gegen 10 Uhr waren wir abmarschbereit und stiegen hinauf zum Stripsenjochhaus. Der Tag war ziemlich vernebelt und die Sicht weit unter 50 Meter. Der mystische Nebel, welcher die fehlende Aussicht wieder wett machte verlieh dem Moment eine ganz besondere Stimmung.

Über die kühleren Temperaturen waren nicht nur Sarah und ich erfreut, nein auch unsere Hunde schätzen den Wetterumschwung sehr. Den größten Teil der Strecke ging es an unserem 4. Tag bergab, bis nach Griesenau, wo wir uns entschlossen, essen zu gehen. Naja, ich hatte es bis gerade wieder verdrängt, es war größtenteils aus Tüten und Dosen und so schaffte man es einfach nicht, mehr aus dem Essen zu holen als ich ohnehin mit mir trug.

An diesem Abend strietzten wir uns noch bis hinter die Bacheralm, wo es dann genug war und wir beide müde ins Zelt fielen. Dafür, dass wir noch so weit liefen und Sarah auf dem letzten Stück ziemlich mit ihren Kräften zu kämpfen hatte, versprach ich ihr am nächsten Tag zum Frühstück eine ordentliche Portion Nudeln zu kochen.

Tag 5 und Endspurt

Morgens früh aufgestanden, schlief meine Freundin noch und ich schmiss den Kocher an, um mein Versprechen zu halten. Der Tag war so wie der Vortag: kühler, allerdings auch trockener.

Auf den letzten Kilometern konnten wir bereits den Almabtrieb beobachten, bei dem die Kühe von den oben liegenden Weiden herunter ins Tal getrieben werden. An der Graspoint Hochalm waren die Kühe mit unserer Überquerung ihrer Wiese nicht so einverstanden und eine Kuh lief auf uns zu. Ich schnellte nach vorne und löste bereits die Leinen meiner Hunde. Als die Kuh aber 1,5 Meter vor uns halt machte, schloss ich schnell wieder die Karabiner und versprach ihr, ruhig weiter zu gehen und die Weide zu verlassen.

An der Kapelle angekommen, die Sarah und ich beim Start der Tour besuchten, machten wir Halt und ich ging das Auto alleine holen. Nach einer guten halben Stunde war ich beim Auto und holte Sarah ab.

Den letzten Abend übernachteten wir in einer Pension, um mal wieder duschen zu können und in einem Bett zu schlafen.

Alles in allem war es ein anstrengender, aber aufregender Urlaub, bei dem wir viel miteinander erleben durften!


Text und Bilder © Lukas Sommer.

 

By |2018-09-26T18:53:13+00:00 26. September 2018|Allgemein, Berichte, Dogtrekking|Kommentare deaktiviert für Fünf Tage durch das Kaisergebirge