Zugspitz Dogtrekking 2018: Eine Bilanz.

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Unser Autor Bernd Spring hat 2015 mit dem Zugspitz Dogtrekking die erste Dogtrekking-“Veranstaltung” Deutschlands ins Leben gerufen. Wobei das Wort Veranstaltung hier bewusst in Anführungszeichen gesetzt wurde, da es sich beim Zugspitz Dogtrekking nicht um eine offizielle Veranstaltung handelt, sondern um einen Einladungslauf. Was es damit auf sich hat, wie das Zugspitz Dogtrekking 2018 über die Bühne ging und wie es weitergehen wird, darüber berichtet Bernd hier exklusiv für dog & sport, viel Vergnügen!


Ich möchte Teil einer Jugendbewegung sein.

Prolog.

Ich hatte diesen Glanz in den Augen, nachdem ich 2012 vom Ötscher Dogtrekking zurück kam. Es war mein allererstes Dogtrekking und Udo Trummer hatte mich dazu eingeladen. Ich hatte kaum Ahnung von dem, was mich am Ötscher erwartete. Es war von Pflichtgepäck die Rede. Von einer längeren Strecke, welche an 2 Tagen zu bewältigen war. Man bekam eine Karte in die Hand gedrückt und sollte den eingezeichneten Weg eigenständig finden.

Der Glanz in meinen Augen stammte nicht von Verzweiflungstränen, weil ich mich ständig verlief. (Ich gebe aber zu, dass mir einige mal danach zumute gewesen wäre.)  Ich hatte auch keine österreichischen Bergkräuter in langes Zigarettenpapier gerollt, nein! Es war einfach nur das Gefühl von “Erleuchtung”: Dogtrekking ist eine phantastische Erfindung, welche unbedingt auch in Deutschland Einzug halten sollte! Ich war angefixt.

Die Organisation beschränkt sich auf das Wesentliche und wenn ich meinen Allerwertesten hochbekomme, dann könnte selbst ein nur rudimentär organisiertes Individuum wie ich dies irgendwie stemmen. Die Idee, welche ein paar Jahre später unter dem Segen Udos (mit ihm machte ich meine erste Probebegehung an der Zugspitze) zum Zugspitz Dogtrekking führte, war hiermit geboren.

Jungs, hier kommt der Masterplan.

Natürlich ließ ich es mir nicht nehmen und modifizierte die Vorgaben, welche eigentlich einem “klassischen” Dogtrekking entsprachen.

Auf Karte und Kompass wollte ich mich nicht reduzieren lassen, vor allem im hochalpinen Terrain, wo sich ein GPS-Gerät als Lebensretter entpuppen kann. Wenn man der Bergwacht auf wenige Meter genau sagen kann, wo man derzeit mit gebrochenen Beinen abhängt, ist das mehr als Luxus.

Pflichtgepäck? Nicht mein Ding. Ich wollte weder Vorschriften machen noch im Gegenzug Verantwortung übertragen bekommen. Jeder Starter hat sein eigenes Risiko für sich und seinen Hund zu tragen. “Du willst nackt auf die Zugspitze rennen? Ich wünsche dir und deinen Zuschauern viel Spaß!”, tönte ich in der ersten Ausschreibung.


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Aus dem Pflichtgepäck wurden Empfehlungen und aus der Veranstaltung ein Einladungslauf: Mitmachen durfte man nur, wenn man im Besitz einer Einladung war, welche ich per Email an Freunde verschickte. Sollten diese Freunde noch andere bewegungsfreudige Hundebesitzer kennen, welche gut in unsere Clique passen, dann wurden auch diese eingeladen. So bildete sich ein harter Zugspitz Dogtrekking Kern, welcher im Großen und Ganzen bis heute gehalten und sich bewährt hat.

Irgendwie Familie.

Drüben auf dem Hügel.

Dogtrekking wird gerne als ein Weitwandern mit Hund umschrieben, was weder falsch noch richtig ist. Dogtrekking ist mehr. Es hat einen (wenn auch lockeren) Rahmen. Und sowas wie einen Spirit.

Dogtrekking kann mehr als Weitwandern. Du bewältigst mit deinem Hund in einer bestimmten Zeit eine Strecke, welche ihre Tücken und Späße aufweisen kann. Und dabei bist du nicht allein, sondern teilst dir Freud und unter Umständen auch Leid mit Gleichgesinnten. Die Strecken wurden mit viel Herzblut von ortskundigen Hundefreunden extra für dich ausgewählt.

Wenn du nur mal eben so mit deinem Hund zum Wandern durch eine dir nicht bekannte Gegend aufbrichst, würdest du aller Wahrscheinlichkeit nicht diese oft abseits des Mainstreams verlaufenden Routen finden. Sie sind die Perlen der Region, nehmen Hundebade- und Trinkstellen mit. Sie führen dich zu schönen Aussichtspunkten und auch über so manche Passage, für die du dem Organisator am liebsten die Ohren langziehen würdest. Aber wenn du wieder im Ziel angekommen bist, hat das positive Gefühl, das Erfolgserlebnis, gesiegt. Hoffe ich zumindest – für die Ohren des Organisators.

Hi Freaks.

Kommen wir nun zum eigentlichen Thema, dem Zugspitz Dogtrekking vom 13. bis 15. Juli 2018, unter Fans liebevoll zdt18 oder zdt4 genannt.

“Die Bezwinger der steilen Kanten” war 2018 der positive Untertitel, welcher mit einer extrem hohen Finisherquote auch so umgesetzt wurde. Hier ist die Ergebnisliste.

Zur Erinnerung: Das zdt2 stand unter dem bedrohlichen Untertitel “Die Rückkehr der steilen Kanten” und das zdt3 war mit “Der Fluch der steilen Kanten” sogar noch einen Schritt weiter gegangen. (Dieser Fluch entpuppte sich damals als Dauerregen, wie man hier nachlesen kann.)

Was das Wetter betraf hatten wir dieses Jahr den Jackpot gezogen. Nicht zu warm, nicht zu kalt und kein Wasser von oben (abgesehen von der Höllentalklamm, aber wer da durch geht, wäre vermutlich enttäuscht, wenn es anders wäre).

Unter diesen positiven Bedingungen konnten 2018 auch Strecken bezwungen werden, welche vom Schwierigkeitsgrad her eine kleine Stufe heftiger als in den Jahren zuvor ausfielen.

Die kürzeste Distanz, welche auf den liebevollen Namen “Welpe” hörte, war mehr als ein Halbmarathon und führte über eine nicht enden wollende Rinderscharte direkt ins hochalpine Terrain.

Die nächstlängere Strecke war bereits ein besserer Bergmarathon (“Flegel”) mit mindestens 3 nennenswerten langen Anstiegen.

Wem das noch nicht reichte, den schickte ich beim “Sporthund” (gut 55 Kilometer und verdammt viele Höhenmeter) über die gefürchtete Riffelscharte und ließ anschließend noch eine orientiertungstechnisch schwierige Stuibenschleife dranhängen.

Unersättliche konnten sich am “Ultrahund” austoben; das ist der “Sporthund” mit zusätzlicher Bonusrunde über Tirol und zurück; zusammen etwa 85 Kilometer und 7000 Höhenmeter.

Das Ziel, keine Langeweile aufkommen zu lassen, wurde definitiv erreicht.

Pure Vernunft darf niemals siegen.

Erreicht haben auch viele Zugspitz Dogtrekker das, was sie sich aus sportlicher Sicht erhofft hatten. Ich muss schon sagen, die Hund-Mensch-Teams waren verdammt gut vorbereitet! Und sie wurden auch gut vorbereitet auf die Strecke geschickt, denn im Vorfeld gaben Christian und Holger, die Orientierungs-Meister der Dogtrekking-Szene, einen Karten- und Kompass-Kurs. Doch damit nicht genug. Regina sorgte mit selbst gebackenem und verdammt leckerem Kuchen für das nötige Powerfrühstück. Was Christian, Holger und Regina dafür verlangten? Nichts! Lediglich die Bitte, das Spenden-Sparschwein zu füllen. Und dieses war so dick wie noch nie zuvor.

Insgesamt kamen stolze 685 Euro zusammen! Ich habe auf 700 aufgerundet, so dass ich je 350 Euro an Leben mit Tieren e.V. und an das Tierheim Höchstädt überweisen konnte. Ich möchte mich bei allen ZDT´lern ganz herzlich für diese Großzügigkeit bedanken!

Das Zugspitz Dogtrekking 2018 wurde nicht nur von vielen Startern professionell in Szene gesetzt, sondern auch von den Foto-Profis hundestars.de und MF-Bildarbeit. Unglaublich, wieviele Bilder und Clips von einem einzigen Tag im Zugspitz-Gebiet im Netz kursieren können.

Richtig krachen ließ es auch unser Sponsor Der Hundling. Die Sieger konnten sich über Mützen, Einkaufsgutscheine im Shop und einiges mehr freuen. Jeder Starter wurde zusätzlich auch noch mit einer Startertüte inklusive PowerBox ausgestattet. Vielen vielen Dank, liebe Annick!

Im Zweifel für den Zweifel.

Das Zugspitz Dogtrekking 2019 steht in den erweiterten Startlöchern!

Am 1. November 2018 werden die Einladungen versendet an alle, die auch beim ZDT18 dabei waren oder mir rechtzeitig dazu absagten. Außerdem sollen alle, welche 2017 mitspielten und denen der 2018er Termin nicht reinpasste, zum Zug kommen.

Diese Einladungen sind gültig bis 1. Dezember 2018. Anschließend werden sie, zusammen mit den liegen gebliebenen Einladungen, an weitere Freunde verteilt. Gleichzeitig wird die Warteliste eröffnet werden.

Viele haben sich schon gefragt, was es nach Rückkehr, Rache und Bezwinger denn nun mit der dubiosen letzten Schlacht der steilen Kanten auf sich hat. Als ich 2015 mit dem ersten ZDT auch das erste Dogtrekking Deutschlands ins Leben rief, wollte ich sowas wie Aufbauarbeit leisten. Mittlerweile ist dies nicht mehr nötig. Es gibt andere Dogtrekkings, welche der Zugspitze nichts nach stehen oder dieser bezüglich der Gegend, dem Erlebnis in der Natur, überlegen sind. Und das ist verdammt gut so!

Einige Ideen, welche ich eigentlich aus der Not heraus für´s ZDT einführte, wurden von anderen Dogtrekking-Organisatoren übernommen und perfektioniert. Das macht mich ein klein wenig stolz.

Aufhören, wenn es am schönsten ist, sagt man. Ich kann mir jetzt nicht vorstellen, wie ich aus dem Wettersteingebirge noch irgendein sinnvolles, cooles, beeindruckendes Upgrade für zukünftige ZDTs herauskitzeln kann. Ich beginne, mich beim Auslegen der Kontrollstellen zu langweilen, weil ich mit jedem Stein am Trail per Du bin. Während ich den (zugegebenermaßen wunderschönen) Bernadeinsteig in beiden Richtungen und zu jeder Tages- und Nachtzeit berannt habe befinden sich nur wenige Kilometer weiter in den Alpen zahlreiche weiße Flecken auf meiner Landkarte, in die ich gerne mehr Zeit zur Erforschung investieren möchte.

Die mit Hund begehbaren Trails rund ums Wettersteingebirge sind schön, aber begrenzt. Die einen haben zu viele gefährliche Kletterpassagen, auf anderen tobt der Massentourismus. Mit Ausgangspunkt Campingplatz Grainau haben wir mittlerweile meiner Einschätzung nach die schönsten Dogtrekking-Touren abgehakt. Übrigens: Diesem Campingplatz hat das Zugspitz Dogtrekking viel zu verdanken. Es ist nicht selbstverständlich, in einer touristisch dermaßen erfolgreichen Gegend eine Truppe mit über 100 Hunden willkommen zu heißen.

Die ZDT-Familie, welche sich in 5 Jahren gebildet hat, wird sich nicht verlieren. Man sieht sich im Elbsandstein, Karwendel, Harz, im benachbarten Österreich und in der Schweiz.

Liebe Playmobilmännchen im finalen Abstiegs-Trail des Bernadeinsteigs: Seid mir bitte nicht böse, wenn ich euch zukünftig seltener besuchen werde und danke, dass ihr immer ein offenes Ohr für mich hattet!

Mein noch größerer Dank geht aber an alle ZDT-Starter, welche sich auf dem Campingplatz ebenso wie auf der Strecke stets sportlich fair, verantwortungsbewusst und rücksichtsvoll verhalten haben. Ihr seid die Besten!

Stürmt das Schloss

Wie zu Beginn erwähnt ist der Aufwand, um ein Dogtrekking zu organisieren, relativ überschaubar. Und Dogtrekking ist kein in Stein gemeißelter Begriff. Ihr wohnt in einer schönen Gegend, welche auch für andere Hundefreunde ihren Reiz hat? Dann zeigt sie uns! Macht ein Dogtrekking daraus! Bei Fragen zur Organisation stehe ich und sicherlich auch alle anderen, welche Dogtrekkings auf die Beine stellen, gerne zur Verfügung.

Wir sehen uns draußen.


Fotos © Bernd Spring, MF-Bildarbeit und hundestars.de. Zwischenüberschriften @ Tocotronic.

By |2018-10-09T09:01:04+00:00 18. September 2018|Allgemein, Berichte, Dogtrekking|Kommentare deaktiviert für Zugspitz Dogtrekking 2018: Eine Bilanz.